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   Alfred Melichar
Kleine Einführung in die Möglichkeiten, die das heutige Konzertakkordeon dem Komponisten bietet

   Das Akkordeon ist heute ein künstlerisch anerkanntes Instrument; es wird an den meisten höheren Ausbildungsinstituten, im In- und Ausland unterrichtet und eine Vielzahl von Komponisten des 20.Jahrhunderts haben dafür komponiert. Dennoch existiert heute eine breite Pallette von gebräuchlichen Akkordeontypen und man kann leider noch nicht von einem einheitlichen Akkordeon sprechen. Im Konzertgebrauch scheint sich aber das Knopfgriffakkordeon mit Converter durchzusetzen, also ein Instrument, das sowohl auf der Baßseite mittels Umschaltung über Standard- und Melodiebaß verfügt. Die großen Konzertinstrumente werden im Melodiebaß bis zu dreichörig, im Standardbaß bis zu siebenchörig, im Diskant meist vierchörig gebaut. Natürlich besitzen solche Instrumente meist nur professionelle Konzertakkordeonisten oder Hauptfachstudenten der Konservatorien und Hochschulen, oder so mancher Liebhaber. An den Musikschulen werden kleinere Instrumente verwendet, einerseits in bezug auf die Registriermöglichkeiten, andererseits in bezug auf den Tonumfang. Oft ist auch noch das Pianoakkordeon gebräuchlich, das sowohl einen geringeren Tonumfang, wie auch weniger Griffmöglichkeiten bietet als das Knopfmodell. Die Klaviatur als Diskantseite ist dem Komponisten natürlich immer bekannt, aber auch das Knopfinstrument ist aufgrund seines logischen Aufbaues schnell sympathisch, nicht zuletzt wegen der spieltechnischen Vorteile, wie z.B.: weitere Griffspannen, gleicher Abstand von Intervallen und Akkorden, usw.
   Moderne Instrumente verfügen auch über Kinnregister (bei größeren Instrumenten ist deren Anzahl höher), die schnellere und unproblematische Umschaltungen ermöglichen.
   Es empfiehlt sich also bei leichteren Kompositionen auch an kleinere Instrumente zu denken und die Tonumfänge dementsprechend einzuschränken. Oft sind die Instrumente im Diskant nur dreichörig, im Melodiebaß nur zweichörig. Viele Akkordeonisten verfügen gar nicht über Melodiebässe. Vereinzelt sind auch Instrumente im Umlauf, die nur über Melodiebässe verfügen.
   So können hier keine generell gültigen Richtlinien gegeben werden, sondern nur Hinweise auf die gebräuchlichsten und nach meiner Meinung zukunftsträchtigen Instrumente, unter Berücksichtigung der in den letzten Jahren erfolgten Instrumenten- und spieltechnischen Entwicklungen.
   Diese nun erfolgte Bestandsaufnahme soll aber die Komponisten nicht abschrecken, für das Akkordeon zu schreiben. Es ist bei weitem nicht so kompliziert, wie es vorderhand aussieht, das Akkordeon ist eben ein Instrument, das noch in seiner Entwicklung steht, bzw in den letzten Jahren eine große Entwicklung erfahren hat. Die "Neue Musik für Akkordeon" hat wesentlich dazu beigetragen und es mag vielleicht auch besonders reizvoll sein, neue Wege mit einem in der "seriösen Musik" weniger bekannten Instrument zu beschreiten.
   Oft scheuen zeitgenössische Komponisten - nicht zuletzt aus mangelnder Kenntnis - die Verwendung des Akkordeons. Es ist zwar meistens die Quinten-Zirkelanordnung des Baßwerkes und seine wiederkehrende Oktave bekannt. Durch die schon in den 1930er Jahren eingeführte Terzbaßreihe war auch schon bisher chromatisches Spiel auf den Grundbässen möglich. Aus dieser unendlichen Oktave werden auch die Akkorde gebildet: Dur-, Moll-, Sept-und verminderter Septakkord (Septakkorde erklingen immer ohne Quinte). Dabei ist zu berücksichtigen, daß sich der sogenannte Oktavknick nicht immer zwischen E und dis befindet, wie das bei großen Instrumenten oft üblich ist. Manchmal liegt dieser zwischen G und fis oder gar C und h. Angenommen der Oktavknick befindet sich zwischen E und dis, so erklingt C-Dur als Sextakkord, aber G-Dur in der Grundstellung, A-Dur als Quart-Sextakkord. Man kann aber unter Zuhilfenahme des Grundbasses den Akkord sozusagen manipulieren und somit die erforderlichen Umkehrungen scheinbar erklingen lassen. Die oft angenommene Monotonie der Akkordbässe, kann durch reizvolle Kombinationen interessanter gemacht werden; C-Dur und e-Moll gleichzeitig gespielt ergeben einen Nebenstufenseptakkord, C-Dur und G-Dur einen Nonenakkord. Hier sind der Fantasie nur spieltechnische Grenzen gesetzt, zumal der Daumen in der linken Hand begrenzt einsetzbar ist.
   Mittels Converter können bei modernen Instrumenten die Akkordbässe in Melodiebässe (in chromatischer Reihenfolge, spiegelverkehrte Anordung wie beim Knopfgriffakkordeon) aufgelöst werden. Grundsätzlich kann auf solchen Instrumenten jeder polyphone Satz gespielt werden, bis hin zu großen Bach-Fugen. Bei Transkriptionen großer Orgelwerke werden die Grundbässe bei gleichzeitigem Spiel auf den Melodiebässen für die Pedalstellen verwendet.
   Es empfiehlt sich, für den Standardbaß die international gebräuchlich Symbolik zu verwenden, während im Melodiebaß klanggetreu notiert werden kann.
   Letztendlich hängt ein guter Akkordeonsatz auch von einer geschickten Einrichtung ab, die man am besten mit einem erfahrenen Akkordeonisten bespricht. Die klanglichen und spieltechnischen Möglichkeiten des heutigen Akkordeons sind so vielseitig, man kann fast alles Denkbare spielen, mit einer Ausnahme natürlich: Crescendo und decrescendo gleichzeitig in beiden Händen. Die Dynamik ist immer in allen Stimmen wirksam, wobei man sich aber mit verschiedenen Registrierungen auf der Diskant- und Baßseite helfen kann.
   Das Spiel in den Melodiebässen ist heute schon sehr virtuos, dennoch sollte man berücksichtigen, das die linke Hand auch den Balg betätigt und der Daumen nur begrenzt einsetzbar ist. Fingerstreckungen sollten nicht unbedingt über eine Oktave gehen, 4-Klänge sind oft schwierig, bei Dreiklängen gibt es kaum Probleme. Weite Sprünge sind ebenso kompliziert, wie oft überaus schnelle Passagen. Sie sollten lieber der rechten Hand vorbehalten sein.
   Die folgenden Tabellen und Notenbeispiele sollen eine kleine Hilfe sein, wie auch Anregungen, für Akkordeon zu komponieren.

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